Soziales- , Kinder- und Jugendhilfe

Proteste der Sozialarbeiter*innen

Berlin

Proteste der Sozialarbeiter*innen

Am Donnerstag, dem 18. Oktober 2018 von 10 – 12 Uhr haben über 150 Menschen vor dem Rathaus Köpenick für eine bessere personelle Ausstattung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im RSD protestiert.

Berlin, 16. Oktober 2018

Aktion „Jugendamt-vom Aussterben bedroht“ – Sozialarbeiter/innen aus Treptow-Köpenick protestieren

Sozialarbeiter/innen des Regionalen Sozialpädagogischen Dienstes und aus anderen Bereichen des Jugendamtes Treptow-Köpenick protestierten am Donnerstag, dem 18. Oktober 2018 von 10 – 12 Uhr vor dem Rathaus Köpenick für eine bessere personelle Ausstattung und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

Sie werden darstellen, wie die Personalsituation in den letzten zwei Jahren war, wie sie sich entwickeln wird und welche Auswirkungen diese Situation für die Familien, Schulen und Gerichte hat. Im Bezirk Treptow-Köpenick sind die Beschäftigten vor allem durch eine hohe Fluktuation der Beschäftigten gebeutelt. Zahlreiche Stellen konnten in den letzten zwei Jahren nicht besetzt werden und viele neue eingestellten Sozialarbeiter/innen verließen den RSD nach wenigen Monaten.

„Die nächste Krise ist schon absehbar, da im Januar 2019  wahrscheinlich 12 Stellen unbesetzt bleiben. Viele erfahrene Beschäftigte verlassen den RSD. Nach bisherigem Stand ist davon auszugehen, dass dann drei Viertel der verbleibenden Beschäftigten eine Berufserfahrung von lediglich zwei Jahren haben werden. Das ist im Zusammenhang mit den Anforderungen im RSD höchst bedenklich, da bei dieser anspruchsvollen Tätigkeit eine mehrjährige Berufserfahrung unabdingbar ist“, sagt Anna-Caroline Sprenger, zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin.

Damit nicht noch mehr Beschäftigte flüchten oder erst gar keine Neuen kommen, muss sofort gehandelt werden. Zu den erforderlichen Verbesserungen gehört eine sofortige Begrenzung der von den Beschäftigten zu bearbeitenden Fälle. Denn nur durch eine fach- und sachgerechte Fallzahlenbegrenzung ist es möglich, Kinder umfassend am Hilfeprozess zu beteiligen, Familien zuzuhören und mit Ihnen nach eigenen Lösungen für schwierige Lebenssituationen zu suchen und den Kinderschutz zu gewährleisten.

Eine deutlich bessere Bezahlung der Sozialarbeiter/innen ist erforderlich, um den Beruf attraktiver zu machen und die höchst verantwortungsvolle Arbeit wertzuschätzen. Für Berufseinsteiger muss es eine Einarbeitungszeit von mindestens 6 – 12 Monaten geben. Zudem sollte eine unabhängige Ombudsstelle für Fachkräfte eingerichtet werden. Es müssen mehr finanzielle Ressourcen zur Bewältigung der Aufgaben des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Prävention und Hilfen zur Erziehung) zur Verfügung gestellt werden.

Die Jugendhilfe muss auch helfen können

Mehr als 200 Beschäftigte der Allgemeinen Sozialen Dienste (ASD) / Regionalen Sozialen Dienste (RSD) und der freien / privaten Träger der Jugendhilfe protestierten am 3. Oktober von 11-13:00 Uhr zwischen Fernsehturm und Neptunbrunnen erneut für eine bessere Ausstattung und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

Kinder, Jugendliche und deren Familien haben ein Recht auf Hilfe und Unterstützung vom Jugendamt. Dies gilt insbesondere in schwierigen Lebenslagen, in Krisen, wenn es scheinbar nicht mehr weitergeht. Gerade in Gefährdungslagen ist die intensive Zusammenarbeit mit den Familien unverzichtbar. Wer in Krisen keinen Kontakt zu Familien herstellen kann, scheitert als Kinderschützer. Kontakt herzustellen erfordert jedoch Zeit, um mit den Familien und deren Netzwerken arbeiten zu können. Mehrere Gespräche mit allen Beteiligten auch zu Hause und auch mit den Kindern müssen selbstverständlich sein.

Um gut arbeiten zu können, bedarf es besserer Arbeitsbedingungen und einer ausreichenden Personalausstattung, um der ansteigenden, viel zu hohen Fallbelastung entgegenzuwirken – und es bedarf einer Jugendhilfe, die hilft.

Am 14. Mai wurden die Ergebnisse der bundesweiten Studie „Zur Situation des ASD im Jugendamt: Soziale Arbeit in strukturellen Zwängen“ von Frau Prof. Dr. K. Beckmann, Hochschule Koblenz, in Kooperation mit dem Jugendamt Mitte und der Deutschen Kinderhilfe vorgestellt. Diese Bottom-Up-Studie ist die erste Studie in Deutschland, die den Status quo in deutschen Jugendämtern zeigt und mit Vermutungen und Unterstellungen aufräumt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass strukturelle Rahmenbedingungen im System der Kinder- und Jugendhilfe eine professionelle sozialpädagogische Arbeit behindern.

Eine deutlich bessere Bezahlung der Sozialarbeiter/innen ist erforderlich, um den Beruf attraktiver zu machen und die höchst verantwortungsvolle Arbeit wertzuschätzen. Zu den Kernforderungen gehört auch, eine Fallobergrenze einzuführen. Zudem sollte eine unabhängige Ombudsstelle für Fachkräfte eingerichtet werden.

Bericht in der Abendschau: https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20181003_1930/alarm-in-den-jugendaemtern.html

(17. August 2018)

Quelle: rbb Abandschau/Nachrichten I
+++ Berlin und Stettin wollen gemeinsam gegen internationale Autoschieber vorgehen +++ Neonazi-Demo in Spandau muss andere Route nehmen +++ Sozialarbeiter-Protest in Marzahn-Hellersdorf gegen die Unterausstattung der Jugendämter +++ Lagerhallenbrand in Licherfelde +++ Hohenzollerngruft im Berliner Dom wird ab Ende 2019 umgestaltet +++

https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/archiv.html

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(16. August 2018)

Aktion „Wieder nur heiße Luft?“ – Sozialarbeiter/innen aus Marzahn-Hellersdorf protestieren

Sozialarbeiter/innen des Regionalen Sozialpädagogischen Dienstes Marzahn-Hellersdorf protestierten am Donnerstag, dem 16. August 2018 von 10 – 12 Uhr auf dem Alice-Salomon-Platz für eine bessere personelle Ausstattung und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

Seit längerer Zeit ist bekannt, dass die Regionalsozialpädagogischen Dienste der Berliner Jugendämter personell und materiell zu schlecht ausgestattet sind. „Ein Treffen der zwölf für diesen Bereich verantwortlichen Stadträte mit der Senatsverwaltung, in dem es um tatsächliche Verbesserungen für die Beschäftigten ging, hat leider zu keinen spürbaren Verbesserungen geführt“, sagt Anna Sprenger, zuständige Gewerkschaftssekretärin bei ver.di.

Außer Bekundungen, dass man auf der Seite der Sozialarbeiter/innen stehe und ihre Forderungen unterstütze, ist nichts passiert. Aus Sicht der Sozialarbeiter/innen nichts weiter als wieder nur „heiße Luft“. Bis heute hat sich nichts im RSD verbessert.

Zu den erforderlichen  Verbesserungen gehört eine Begrenzung der von den Beschäftigten zu bearbeitenden Fälle. Denn nur durch eine fach- und sachgerechte Fallzahlenbegrenzung ist es möglich, Kinder umfassend am Hilfeprozess zu beteiligen, Familien zuzuhören und mit Ihnen nach eigenen Lösungen für schwierige Lebenssituationen zu suchen.

Eine deutlich bessere Bezahlung der Sozialarbeiter/innen ist erforderlich, um den Beruf attraktiver zu machen und die höchst verantwortungsvolle Arbeit wertzuschätzen. Für Berufseinsteiger muss es eine Einarbeitungszeit von mindestens 6 – 12 Monaten geben. Zudem sollte eine unabhängige Ombudsstelle für Fachkräfte eingerichtet werden. Es müssen mehr finanzielle Ressourcen zur Bewältigung der Aufgaben des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Prävention und Hilfen zur Erziehung) zur Verfügung gestellt werden.

Für Rückfragen: Anna-Caroline Sprenger, Gewerkschaftssekretärin Fachbereich Gemeinden, ver.di Bezirk Berlin
Telefon: 030 / 8866-5374, mobil: 0175 / 57 38 863.

Weitere Links:

https://www.morgenpost.de/bezirke/marzahn-hellersdorf/article215096977/Gewerkschaft-Verdi-ruft-Sozialarbeiter-zum-Protest-auf.html